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Wenn ich gross bin möchte ich ..........

 
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picknicker6



Anmeldedatum: 24.10.2005
Beiträge: 203

BeitragVerfasst am: 10.07.2008 23:38    Titel: Wenn ich gross bin möchte ich .......... Antworten mit Zitat

....Pokerprofi werden! Alle Jahre wieder werden in Las Vegas die Weltmeister im Poker gekürt und jeder will der nächste sein - auch viele Deutsche!

Ca. 6300 Starter, 10.000$ Startgeld, mehr als 63.000.000$ Preisgeld, 9.000.000$ für den Sieger. Das Mainevent der Pokerweltmeisterschaft in Las Vegas reiht sich in die Ereignisse der Superlativen ein, die nun bereits seit geraumer Zeit die Welt beeindrucken. Eine einzigartige Gelegenheit für den Amateur, den Semi-Profi und den Pokerstar zur selben Zeit, um die Krone im Poker zu kämpfen und sich miteinander zu messen. Mittendrin eine Menge Deutscher, die denen welches dieses Jahr daheim bleiben mussten, als Vorbild dienen.

Poker ist gross in Deutschland, dass hat inzwischen auch der letzte Hinterwäldler mitbekommen und seit Boris uns erzählt wie toll es ist nun auch wieder "Profi" zu sein, haben wir einen neuen Volkssport für uns entdeckt. Viele träumen davon vom Poker zu leben oder einmal am Sonntag abend bei der Sunday Million auf Pokerstars das grosse Los zu ziehen und evtl. die ca. 150.000$-200.000 für den Sieger einzustreichen (und die Chancen sind wesentlich besser dies einmal im Leben zu erreichen, als z.B. im Lotto zu gewinnen).

Phil Hellmuth, elffacher Gewinner eines Pokerturniers im Rahmen der Pokerweltmeisterschaft, steigt aus dem zerschrottenen Sportwagen, schüttelt sich kurz und lächelt den Kamerateams ins Gesicht, abends sitzt er mit den Größen der Pokerwelt an einem Tisch und verspielt mal 300.000$. Was solls? Morgen kommt es wieder rein. Hübsche Frauen, Partys bis zum Abwinken - das Leben eines Menschen, der mit Poker sein Geld verdient, muss aber nun auch wirklich das reinste Vergnügen sein. Geld, Spass, Frauen, Partys, freie Zeiteinteilung, den ganzen Tag vor dem Computer rumlungern und ein bisschen rumklicken, wenn das nicht das Paradies ist, dann weiss ich auch nicht. Also habe ich es einfach mal gemacht. Drei Monate mit Pokern Geld verdienen....

Ich spiele so mehr oder minder vier Jahre Online - Poker. Wie ich drauf kam? Ich weiss es wirklich nicht mehr und es kommt mir wie Lichtjahre her, dass ich das erstemal dem magischen Reiz dieses Spiels erlegen bin. Ich habe gesehen wie Poker in Deutschland gross wurde, war sicher zwischendurch grenzwertig spielsüchtig, habe mit den besten Spielern am Tisch gesessen, in einer Stunde aus 40$ 1600$ gemacht, um sie dann in einer Hand zu verlieren. Diese Momente geben dir einen Adrenalinausstoss - dagegen ist Fallschirmspringen Kindergeburtstag. Es fühlt sich an, als ob du in 10000 Metern ohne Sauerstoffgerät aus dem Flugzeug springst und auch die 100 Meter beim Eintauchen in den Erdboden bei vollem Bewusstsein erlebtst - ziemlich schmerzhaft. Danach kam die Besinnungsphase (so nach zweieinhalb Jahren) und dann erstmal eine Pause.

Am Ende der Pause habe ich mich am anderen Ende der Welt wiedergefunden mit zu wenig Erspartem und einem ernsthaften finanziellen Problem, weil im voraus sparen nicht zu einer meiner Tugenden gehört. Was machen? Auch wenn es bisher nicht so klang, war mir schon bewusst, dass ich ein ganz passabler Spieler bin. Ich mag die in Poker angewandte Mathematik, kann sehr gut Setzmuster analysieren und bin intelligent genug alle mir zur Verfügung stehenden Mittel (legaler Natur) zur benutzen, um mir einen Vorteil gegenüber meinem Gegner zu verschaffen. Dabei handelt sich inbesondere Analysesoftware mit deren Hilfe man das eigene und das Spiel der Gegner bis ins Detail analysieren kann.

Mein Ziel war es 50$ pro Tag im Durschnitt Profit zu machen. Aus meiner Erfahrung wusste ich, dass es Tage geben würde, wo ich 200$ verdienen würde und andere wo ich 100$ verlieren würde. Insofern waren die 50$ durchaus realistisch und ich kann schon vorab sagen, dass ich das Ziel auch erreicht habe. Das bedeutete am Ende des Monats sollte ein Profit von 1000 - 1500$ als Minimalziel erreicht werden, was ausreichen sollte um meine Lebenshaltungskosten zu decken.

Als ich begann war das alles ja nicht neu für mich, bloss das ich eben bisher immer alles wieder verspielt hatte, was bei einem geschätzten Umsatz von 150.000 - 200.000$ in drei Jahren ja keine unbeträchtliche Leistung ist, aber ich bin im grossen und ganzen ein ausgeglichener Mensch und mich hat das im Rückblick so viel gejuckt, wie eine Ameise die über meinen Fuss trippelt. Ausbildung kostet Geld und ich habe bei den Besten gelernt (und dafür teuer bezahlt, aber ich hatte ja quasi ein Stipendium finanziert durch das schlechte Spiel in den unteren Levels).

Der Plan war so im Durschnitt vier bis acht Stunden pro Tag in zwei bis drei Sessions zu absolvieren, was vor allem von meiner Performance in Onlineturnieren abhängig gemacht wurde. Ich hatte ein bevorzugtes Turnier, das 2$ Rebuy Turnier wo eine moderate Anzahl von Spielern an den Start ging (ca. 200 - 300) und die Chancen ins Geld zu kommen nicht allzu schlecht standen. Ich hatte das Turnier bereits zuvor zweimal gewonnen und mehrere Dutzend Male den Finaltisch erreicht. 2$ klingt für den Laien nicht nach viel, aber Rebuy bedeutet, dass man in der ersten Stunde wann immer man alle Chips verloren hat für 2$ neue Chips kaufen kann. Wenn man da mal seine Regeln nicht einhält, sind sehr schnell 20$ im Pokernirvana verschwunden. Ich glaube mein absoluter Rebuyrekord (aus früheren Zeiten) waren einmal 64$, aber da hatte ich auch wirklich Lust Geld zu verteilen.

Wie auch immer ich hatte mir selber ein 10$ Limit pro Turnier gesetzt und spielte nebenher noch ein oder zwei Cashgame-Tische wo man maximal 10$ an einen Tisch bringen kann (später als ich mehr Geld verdient hatte, wechselte ich erst zu 25$ und dann 50$ Cashgame). Das war vor allem, um neben dem Turnier die verlorenen Turniereinsätze wieder einzuspielen und im Falle eines Versagens im Turnier trotzdem die Option zu haben den Tag im Plus zu beenden.

Ich erinner mich noch genau an die ersten Wochen - es lief wie geschmiert. Ich denke Rebuyturniere sind hervorragend geeeignet, um sich auf kleineren Plattformen ein Bankroll aufzubauen. Vielleicht habe ich auch weit über Durchschnitt in diesen Turnieren performt (das bedeutet aber auch bei Onlineturnieren, dass man ganz leicht mal zwei Wochen keine bedeutenden Geldbeträge sieht). Das einzige Problem mit meinen neugeschaffenen Regeln und Vorsätzen war - ich dürfte so gut wie nicht mehr gambeln. Poker ist ein Spiel der Wahrscheinlichkeiten und wenn nur zwei Karten übrig sind, welche dir die beste Hand geben, dann ist die Wahrscheinlichkeit eben sehr gering eine der beiden Karten zu treffen, aber das ist vielen Spielern egal. Mir war klar, wenn ich anfange zu gamblen würde dieses Unterfangen gnadenlos scheitern.

Ich spielte von Beginn an diszipliniert und es war faszinierend wie beherrscht ich spielen konnte und mein Kapital immer weiter anwuchs. Mir war zwar ziemlich schnell bewusst, dass mir bereits von Anfang an etwas fehlte, aber die Tatsache das mein Kapital wuchs überdeckte dieses Gefühl vorerst. Lange Rede kurzer Sinn, nach dem ersten Monat stand ich bei 1800$ Profit (und wirklich ohne grosses Risiko) - Ziel erreicht. 800$ ausgecasht und gedacht - wow! Natürlich habe ich sehr viel gespielt, aber auch immer mal den Computer ausgemacht (und dafür den Fernseher eingeschaltet oder mich mit Freunden getroffen).

Im zweiten Monat lief es ähnlich gut und eigentlich hätte ich keinen Grund zu klagen gehabt, wenn das Wörtchen wenn nicht wäre. Mir wurde zunehemd bewusst, wie sehr mich das Pokerspiel konzentrationstechnisch in Anspruch nahm. War ich am Anfang noch in Cafes oder an öffentliche Orte gegangen, um in entspannterer Atmosphäre zu spielen, stellte ich dies später ein, da mir meine Software sagte, dass ich zu diesen Zeiten unterdurschnitllich performte. Überhaupt versuchte ich mich mental zunehmend während des Spielens nur auf das Poker zu konzentrieren und mich von nichts ablenken zu lassen. Wenn man drei Tische oder vier Tische gleichzeitig spielt und dort gewinnen möchte, dann ist das schon nicht so einfach.

Daneben machte mir meine körperliche Verfassung zunehmend zu schaffen und ich entschied mich ein bisschen mehr spazieren zu gehen und längere Pausen zwischen den Sessions einzulegen. Allerdings war es sehr schwer nicht über gespielte Hände nachzudenken und diese nich in meiner "Freizeit" zu analysieren. Ablenkung fand ich nur in Gesellschaft oder wenn ich mit Freunden und der Familie chattete. Im zweiten Monat war ich so gut am Laufen, dass ich sogar meiner Freundin erzählte, was ich gerade spielte und normalerweise habe ich Freundinnen da immer ausgeklammert. Am Ende des Monats war ich schon etwas auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Ich hatte wieder mein Ziel erreicht, aber hatte sicher 50h in der Woche mit Pokern verbracht. Nicht eingerechnet die Zeit in der ich mein Spiel, oder das der Gegner, analysierte und in der ich über verschiedene Hände nachdachte.

Nur als kleiner Einschub, jeder der Pokerspielen zum Geld verdienen betreibt, muss natürlich erst einmal als bedingt spielsüchtig eingestuft werden. Allerdings betrachte ich Poker nicht als Glücksspiel und es kann durch eine entsprechende Anzahl an Händen auf jeden Fall gewinnbringend absolviert werden. Wie bei jedem Job/Sport wird ein enormer Zeitaufwand betrieben, um seine Ziele zu erreichen und hat weniger mit Spielsucht als mit Notwendigkeiten zu tun.

Wie auch immer im dritten Monat kam in der dritten Woche der Blackout. Der hatte sich natürlich schon angekündigt in langsamen Schritten, aber bis dato hatte ich ihn immer vermeiden können. Der Blackout war nicht, dass ich alles verspielte, sondern ich hatte einfach keinen Bock mehr die ganze Zeit vor dem Computer zu verbringen. Poker machte mir nicht mehr im entferntesten Spass und auch meine Gewinne halfen darüber nicht weg. Natürlich hatte ich vorher auch schon Burnouts, allerdings waren das meist Downswing-Burnouts. Hier war das anders - ich war auch im dritten Monat voll im Plan. Was war passiert? Ganz einfach ich hatte am eigenen Leib erfahren, dass das mit dem vielen Geld und den Partys und all dem gar nicht so leicht zu erreichen war (was ja auch gar nicht mein Ziel was, sondern ich wollte ja nur meine Lebenshaltungskosten decken). Mir wurde bewusst, dass Pokerprofis sich ihr Geld genaus hart verdienen müssen, wie jeder andere auch.

Ohne mentales Training und eine hundert Prozent stabile Psyche ist man komplett verloren und wird über kurz oder lang immer wieder auf Tilt gehen (alles Geld verspielen). Hinzu kommt, dass man natürlich auch schlechte Tage verkraften können muss, sogar schlechte Monate (diese negative Erfahrung hatte ich über die drei Monate ja noch nicht einmal gemacht). Die psychische Belastung ist enorm und mit der eines absoluten Extremsportlers zu vergleichen - je höhere Levels man spielt, umso extremer. Kannst du es wirklich vertragen 25.000$ in einem Monat zu verlieren auch wenn du im Monat davor 50.000$ gewonnen hast ? Das macht für mich nach vier Jahren den Unterschied zwischen Gewinner und Verlierer aus und viele sind Verlierer.

Daneben ist es essentiell ins Fitnessstudio zu gehen oder irgendeine Form von Sport zu treiben, um einen körperlichen Ausgleich zu haben. Wie gesagt die Belastungen sind enorm und man muss absolut fit sein. Von den meisten bekannteren Spielern weiss man, dass sie all das machen, um sich zu schützen. Nur bei den ganz alten Spielern ist die Erfahrung so gross, dass sie sich einfach durch nichts mehr aus der Ruhe bringen kann - die Gelassenheit des Alters eben.

Was aber am schlimmsten an den drei Monaten war und das war eigentlich die traurigste Erkenntnis für mich, war das mir zwar das Gefühl der Meisterschaft im Spiel schon einiges gegeben hat, aber wenn du jedesmal deine Karten ablegst, wo du früher gepusht hast, geht ein essentieller Teil des Spiels für viele verloren. Denn Poker ist ab dem Moment wo du das gamblen völlig ad acta legst eben wirklich nur noch ein Sport und der Reiz macht sich eben auch durch den Gambling - Effekt aus (oben beschriebenes Fallschirmgefühl). Nicht umsonst liest man immer wieder von den absurdesten Wetten von Pokerspielern. Warum? Am Pokertisch dürfen sie nicht gambeln. Ein kluger Mann hat einmal gesagt: "Das schönste Gefühl beim Pokern ist zu gewinnen, aber das zweitschönste Gefühl ist zu verlieren."

Na ja für mich war klar, dass es das für mich war. Das restliche Geld war dann auch bald aufgebraucht (also ausbezahlt) und ich habe dann das was ich vorher noch nebenbei gemacht habe, zum Hauptberuf gemacht.

Die Moral von der Geschichte ist, professionell Poker spielen ist nicht nur Spass, sondern muss genauso ernst genommen werden wie jeder andere Beruf/Sport auch. Die Belastungen sind auf dem Profilevel enorm und wer dem einen oder anderen Profispieler tief in die Augen schaut, der sieht mehr als genug Augenringe und nicht überall denselben Ganz. Ich glaube gerne, dass die Profis das schon möchten, aber ich möchte denen sagen, die gerne Profis werden möchten, dass da wie bei allem eine Menge Arbeit dazugehört und man auch hier zwischen Realität und Schein unterscheiden muss.

Heute spiele ich eigentlich vielleicht einmal die Woche ein Turnier und manchmal auch drei Wochen gar nicht. Pokern ist für mich ein Zeitvertreib und ich gehe dann meist auch in dem Bewusstsein an den Tisch, dass es mal wieder an der Zeit ist 10$ unter der Bevölkerung zu verteilen. Meinen eigentlichen Job, nämlich Deutsch und Englisch zu unterrichten, weiss ich viel mehr zu schätzen und geniesse es sehr anderen Menschen zu helfen. Den ganzen Tag vor dem Computer zu sitzen, hätte mich auf Dauer nicht befriedigt - sogar unter dem Aspekt ein Gewinner zu sein. Nichtsdestotrotz werd ich sicher mal nach Macau und Las Vegas fahren - das sind halt Pokerspielerträume, die es zu verwirklichen gilt. Poker ist immer noch mein Lieblingshobby, aber eben nur ein Hobby und wenn ich mal wieder zurück in Deutschland bin werde ich mich sicher auch mehr als einmal daran wagen den grossen Tag bei der Sunday Million zu erleben - weil Lotto spielen ist für Loser.


P.S.: Cort Kibler - Melby ist professioneller Pokerspieler und persönlicher Lieblingsspieler. Er gewinnt in manchen Monaten Tausende von $$$ und in manchen verliert er Sie. Er kann das verlieren ertragen und das macht ihm zum Gewinner. Derzeit spielt er das Main Event der Pokerweltmeisterschaft und ist nach dem vierten Tag immer noch dabei. Wer einen Einblick in das Leben eines professionellen Pokerspielers gewinnen möchte, sollte sein Blog lesen.

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Ich habe den Text für neon.de/Nichtpokerspieler geschrieben, aber noch nicht veröffentlicht, sondern dachte ich veröffentliche ihn erstmal hier

Liebe Grüsse
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Zuletzt bearbeitet von picknicker6 am 12.07.2008 07:31, insgesamt einmal bearbeitet
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Mishkin



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BeitragVerfasst am: 11.07.2008 01:15    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr nette Geschichte, die das Pokern detailliert in seinen unterschiedlichen Facetten beschreibt.
Ja, es ist keine lockere Sache, und man kann bei fast allen Pokerprofis erkennen, dass die bad beats und die Downswings einen starken negativen Einfluss auf die Psyche haben. Wahrscheinlich ist einer der wichtisten Eigenschaften beim professionellen Pokern der richtige Umgang mit Downswings. Dies, gepaart mit Konsequenz und Geduld, ganz abgesehen von dem Verständnis und dem Feeling für das Spiel, machen einen erfolgreichen Pokerspieler aus.
Und das ist alles andere als einfach.
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bla
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BeitragVerfasst am: 11.07.2008 08:49    Titel: Antworten mit Zitat

Starker Bericht Picknicker.
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bbberni



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BeitragVerfasst am: 12.07.2008 08:40    Titel: Antworten mit Zitat

danke für den bericht, war sehr intressant zu lesen
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Göpfi



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BeitragVerfasst am: 12.07.2008 22:48    Titel: Antworten mit Zitat

danke
habs gern gelesen.
toller bericht!
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picknicker6



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BeitragVerfasst am: 13.07.2008 03:19    Titel: Die erste Hand.....ist die Schwerste Antworten mit Zitat

Hier noch ein anderer Text von mir über Pokern und seine Tücken:

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Die gefürchteste Hand eines Pokerspielers ist die erste Hand. Die erste Hand am Tisch, die erste Hand nach der Pause, die erste Hand nachdem man umgesetzt wurde oder einfach die erste Hand, die man jemals gespielt hat, denn damit fing das ganze Drama an.

Das negative Karma, welches diese ersten Hände versprühen ist schon fast legendär. Dabei spielt die Psychologie der ersten Hand natürlich eine unglaublich spannende Rolle. Nehmen wir die erste Hand am Tisch. Du findest ein Päärchen Vieren. Der halbe Tisch ist noch auf Sitout Modus und du limpst mal in den Pott, weil es ist ja gottverdammt nochmal die erste Hand und da weiss man - Obacht!

Nun ja der Flop kommt 4 J 6 und innerlich bereitest du dich daruaf vor, wie du nun möglichst viele Chips vom Gegner ziehen kannst. Auf dein Mini-Raise reagiert er überraschenderweise mit einem Reraise und auf deinen Reraise mit einem Call. Es ist die erste Hand und du spürst schon, dass dies vielleicht deine letzte sein wird, obwohl du zu diesem Zeitpunkt bis zu 90% sicher bist, das es die letzte Hand deines Gegners ist. Der Turn ist eine weitere 6 und das ist eigentlich eine tolle Karte - leider nicht nur für dich. Aber zu diesem Zeitpunkt bist du dir eigentlich 95% sicher, dass die Hand dir gehört. Der BB raiset nun von sich aus und dir ist klar, dass er entweder AJ oder 6X hält, deswegen wird nicht mehr lange rumgespielt, sondern ALL IN gesetzt. Der Call kommt prompt und du siehst A6. Deinem Gegner bleibt also ein 7-Outer. Jedes As, jeder Bube oder jede 6 geben ihm die Nuts. Die Riverkarte besiegelt dein Schicksal mit stoischer Ruhe erhebst du dich, schaust kurz in die Runde und verlässt den Tisch.

Die erste Hand im Turnier zu verlieren ist keine Schande, man kann nach Hause gehen, Cashgame spielen oder an der Bar darüber sinnieren, wieso der Pokergott so gemein zu einem ist. Auf jeden Fall hat man für all diese Dinge noch unglaublich viel Zeit.

Die erste Hand nach der Pause. Das ist meine persönliche Hassliebe. Sie entscheidet meist ob du dem Tisch einfach gleich mal eine ordentliche Kampfansage gibst oder ob du weiterhin auf gute Karten warten musst. Im Rebuyturnier ist das der Moment wo ich von aggro-loose auf super-tight umstelle. Der Imagewechsel wird von den wenigsten registriert und beschert mir zumeist viel Action nach der Pause. Oft zu meinem Vorteil, machmal aber eben auch zu meinem Nachteil. Alles in allem kommt es aber erheblich darauf an welche Pause es ist, die erste Pause ist auch noch ein erträglicher Zeitpunkt auszuscheiden, denn da kann man immer noch die hübsche Dame an der Rail ansprechen, die einem schon die ganze Zeit zulächelt.

Mike Matusow hat da ganz recht, als er gestern schimpft wie frustriend das ist. Nur weil er da jetzt noch mit seinem Ministack beim Mainevent rumsitzen muss, kann er kein neues Event im Bellagio anfangen. Völligstes Verständnis meinerseits, die 10.000$ Unterschied zwischen Platz 199 und Platz 80 sind zu vernachlässigen. Dennoch setzt man sich natürlich wieder an den Tisch und hofft auf die erste Hand nach der Pause vor dem Bubble. Das ist überhaupt die allerschlimmste Hand und sie sollte von der Gaming-Kommission verboten werden. Ich fordere, keine erste Hand mehr nach der Pause vor dem Bubble! Diese Hand hat Suckout Qualitäten, dass einem die Spucke wegbleibt.

Die zwei Asse blinken mich an. Ich schaue mich um und taxiere die Gegner. Frage mich, ob es wohl Action gibt. Es ist die erste Hand nach der Pause vor dem Bubble und ich habe einen soliden Stack aufgebaut. Vier Plätze bis ITM und ich bin sehr gut aufgestellt und nach dieser Hand werde ich Platz 1 angreifen. Denkste! Ich raise 12000 (Blinds 1000/2000 Average Chips: 40000). Es ist immer noch die erste Hand und da lass ich niemanden billig reinlimpen, sondern bin auch mit den Blinds zufrieden, ausserdem habe ich dann gleich mal Stärke demonstriert. Allerdings entscheidet sich der bis dato loose und sehr schwer einzuschätzende BB seinen Blind zu verteidigen. Der Flop kommt 2 J 6. Der Big Blind raiset massiv, dass ist ein schwieriger Moment für mich und natürlich treffe ich die falsche Entscheidung. Er hat 27.000 geraiset, aber noch 45.000 über. Wenn ich die 27.000 calle habe ich 14.000 über. Mir sieht der Bet aber nach einem Bluff aus und ich entscheide ALL IN zu gehen und hoffe er hat im schlimmsten Fall K J/A J, sogar J 10 und ähnliches halte ich für möglich. Ich hätte es besser wissen müssen - es ist doch die erste Hand. Er floppt sein Set 6er und Turn und River bringen keine Hilfe. Mit saurem Lächeln erhebe ich mich - ich bin sauer auf mich selbst. Es gab keinen Grund die Hand durchzupushen und war aus strategischen Gründen katastrophal gespielt, aber ich verfluche auch den Dealer, warum er mir ausgerechnet in der ersten Hand nach der Pause vor dem Bubble die Asse dealen muss. Ich wünsche ihm sämtliche Krankheiten dieser Welt an den Hals und, dass er sich möglichst bald den Arm breche. Natürlich im Stillen!

Und dann gibt es noch die erste Hand am neuen Tisch. Der letzte Tisch, ja der wars da hat man sich gut unterhalten, Witze gerissen und war ein aktzeptiertes Mitglied der Gesellschaft. Die Leute haben einem den gebphrenden Respekt entgegengebracht und umgekehrt. Am neuen Tisch ist alles anders. Mit finsterem Blick wird man empfangen und alle beäugen einen Argwöhnisch. Kein Hauch von Frundlichkeit. Kalt weist man dir deinen Stuhl zu und die Karten werden gedealt. Du findest 99 in EP und fragst dich was nun tun? Die sind nun aber auch wirklich nicht nett diese Leute hier am Tisch und da muss man ihnen erstmal einen vor den Latz knallen, aber da du sie nicht kennst, limpst du dann doch nur. Die Spielerin in MP hat ein besonderes Auge auf mich geworfen und raiset ordentlich. Ich sehe keine Veranlassung unnötiges Feuer in die sich gerade neu entwickelnde Beziehung zu schütten und entscheide mich für einen Call. Der Flop ist 9 2 10, zwei Karten in Herz. Ich checkraise und sie setzt einen satten Raise an. Ich kenne ja meinen ersten Hände-Probleme weshalb ich gar nicht lange rumfackel und sie für 2/3 ihres Stacks ALL IN setze. Die Frau denkt nun natürlich, dass dieser Depp wohl denkt er könne sie hier so mir nichts dir nichts aus der Hand kicken. Kommt hier neu an den Tisch und will erstmal gleich einen auf dicke Hose machen - dem zeig ichs und geht ALL IN. Überlegungen wie - mein Turnierleben stehen auf dem Spiel, ich habe nur den üblichen Flush Draw aber setze für den Rest 2/3 meines Stacks aufs Spiel haben in ihren Gedanken keinen Platz. Der River bringt die Entscheidung - natürlich das dritte Herz. Ich habe einen Supereinstand am neuen Tisch, die anderen Spieler grinsen in sich rein und denken sich sicher "Geschieht ihm grad recht!" und ich habe meinen halben Stack verloren.

Wie man erste Hände hassen kann, aber das Problem mit den ersten Händen ist, sie sind unvermeidbar. Und natürlich steht ausser Frage, dass wir genauso häufig ganz wunderschöne, intime Momente mit unseren ersten Händen erleben - wenn so eine erste Hand erst auf dem River dann ihre ganze Schönheit entfaltet, dass ist schon toll. Die Medallie hat eben immer zwei Seiten und manchmal hat man auf die richtige Seite gesetzt.

Die erste Hand ist immer die Schwerste und das beeinhaltet eine von mir unerwähnte Gattung - nämlich die erste gespielte Hand, aber dazu ein andernmal mehr......
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picknicker6



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BeitragVerfasst am: 14.07.2008 06:39    Titel: Online Poker ist ja sooo rigged! Antworten mit Zitat

Es gibt wenige Sprüche im Poker, die man immer und immer wieder hört, aber einen hört man garantiert jeden Tag ein paar Mal: "Das ist ja so rigged hier!"

Was ist das eigentlich - rigged?

"Rigged market" heisst manipulierte Börsenkurse, also heisst "Rigged Poker" manipuliertes Poker.

Warum also sind die Pokerplattformen "rigged"?

Das ist ganz einfach, weil hinter jeder Pokerplattform ein Geldhai steht, der seinen Rachen gar nicht voll bekommen kann. Ist ja auch logisch, als Pokerplattform versuche ich unbedingt den Status "rigged" zu erreichen, damit möglichst viele Spieler auf meiner Plattform spielen. Die ganzen Verlierer die mit Q 3 gewinnen, sind von der Plattform bezahlt und das sich bis heute noch keiner von denen gemeldet hat, bleibt ein ungelöstes Rätsel. So etwas nennt man "Brand-Marketing" und ein schlechter Ruf in der Welt hat sich noch immer ausgezahlt: Siehe hierzu: Die Vereinigten Staaten von Amerika, Ultimate Bet Poker(oder war es Absolute?) oder Gammelfleisch. All diese Länder, Produkte, Unternehmen geniessen einen hervorragenden Ruf und werden deshalb besonders geschätzt.

Gibt es Plattformen die den den Status "rigged" haben?

Hier beginnt das Mysterium. Denn eigentlich hat jede Plattform den Ruf "rigged" zu sein. Ich selber hatte in den letzten vier Jahren das zweifelhafte Vergnügen auf zehn bis vierzehn Plattformen zu spielen und egal auf welcher Plattform ich gespielt habe, alle miteinander waren sie "rigged". Fällt euch was auf? Das ist offensichtliche eine Verschwörung der Illuminaten, die den Pokermarkt für sich entdeckt haben, um die Message zu verbreiten: "Alles ist rigged".

Welche Plattform ist die meistgenannteste Plattfrom, wenn es um den Status "rigged" geht?

Wenig Überraschendes tritt hier zu Tage. Pokerstars die weltgrösste Pokerplattform mit den meisten Spielern gilt als besonders "rigged". In diesem Zusammenhang hat nicht nur der eigentliche Begriff eine tausendfache Wiederholung erfahren, sondern der Plattform wurde ein komplett neuer Name verpasst: Riverstars. Pokerstars sollte sich den Namen als geschütztes Markenzeichen eintragen lassen, denn so einen Status muss man sich hart erarbeiten. Es ist offensichtlich, dass Aspekte wie, dass auf Pokerstars die meisten Hände pro Tag gespielt werden oder besonders viele Fische mitschwimmen, völlig bedeutungslos sind.

Wer sagt eingentlich das eine Plattform "rigged" ist?

Das sind natürlich diejenigen Spieler, die Poker auf allerhöchstem Niveau spielen. Jeden Tag beschweren sich Dutzende von Highrollen bei Riverstars darüber, dass ihr Leben ein einziges, sinnfreies Dasein ist und "rigged" steht nur als Synoym dafür. Phil Ivey beendet jedes seiner Interviews mit einem grinsenden "Never forget, Online Poker is rigged" und wer würde dem sympathischen Amerikaner etwas nicht glauben können.

Welche Sprüche gibt es denn so?

Die Auswahl ist vielfältig und ich habe hier nur einige Sprüche zusammengetragen, die ich so oder so ähnlich schon gehört habe.

1. This platfrom is so ****ing rigged. I dont know how you idiots cant see that it is so ****ing rigged!

Sprachs er und machte einen 50$ Reload.

2. RIIIIIIIGGGGGGGEEEEEEEEDDDDDD!

Die Partyvariante unseres beliebten Spruches. Zeugt von einem entspannten Charakter und einer relaxten Einstellung. Sollte nicht allzu ernst genommen werden.

3. Rigged! Rigged! Rigged! I hate ****ing Riverstars!

Wir haben ihn beim ersten Mal nicht verstanden, also wiederholt dieser nette Zeitgenosse noch einmal seine Vermutung, um sicher zu sein, dass wir seinen Punkt verstanden haben. Uns ist das egal und keiner antwortet. Beleidigt verlässt der geschlagene das Feld.

4. I know its rigged, but i know i can beat the system.

Das ist der intelligente und zurückhaltende Verschwörungstheortiker. Wer weiss schon wer wirklich mithört - also besser ruhig seine Zweifel äussern. Nicht das Pokerstars morgen die Männer im Anzug und mit Keule vorbeischickt.

5. **** **** **** this is so ****ing rigged, i was up..........

Und dann erzählt er uns seine ganze Bad Beat/Downswing Story. Das interessiert den Rest des Tisches nicht die Bohne und er macht sich am Ende mit den Worten:"........i never ever play Online Poker again. Guys follow me, you will do yourself some good. Its all rigged", vom Tisch.

Die meisten am Tisch denken dann: "Nur weil du keine Kohle mehr hast, soll ich keinen Spass mehr haben? Verpiss dich und geh woanders heulen"

Ihr habt einen coolen Spruch im Zusammenhang mit dem Wort "rigged" gehört, fühlt euch frei ihn mit uns zu teilen.

Generell bleibt also folgendes Fazit festzuhalten: Alle Pokerplattformen bescheissen, weil es ja offensichtlich ist, dass sie sich am Rake nicht schon dumm und dämlich verdienen. Zweitens werden Bedenken, dass Online Poker maipuliert sein könnten, vor allem von festen Pokergrössen und Highrollern geäussert. Drittens stehen Grösse der Plattfrom und "Rigged"-Status in einem Zusammenhang, allerdings nicht wie zu vermuten wäre, weil dort die meisten Spieler sind und somit die meisten Hände gespielt werden und somit auch die meisten Bad Beats verteilt werden, sondern weil hinter den Plattformen die Illuminaten stehen und Phil Hellmuth ihr Anführer ist.

Wir haben alle mal "rigged" in die Runde gerufen und der eine hat sich weiter nichts dabei gedacht, der andere hat sich ein bisschen geschämt, weil er sich so gehen lassen hat und der Dritte hat den Tisch verlassen und ist in die Kneipe gegangen und hat das mit dem Pokern glücklicherweise sein lassen. Online Poker ist nicht rigged und ihr habt diverse Hände verloren, weil ihr entweder schlecht gespielt habt oder einen Bad Beat kassiert habt. Wenn Online Poker wirklich rigged ist, dann war die WSOP 2008 ein manipuliertes Pokerfestival erster Güte. Also bevor ihr denkt - Ha! Die können mich mal ich spiel jetzt nur noch Livepoker - vergesst es, denn eines steht fest: Livepoker ist ja sowas von rigged - das passt auf keine Kuhaut mehr!

In diesem Sinne
Euer pick
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